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Peter Marggraf und seine Buchkunst auf historischen Maschinen





 
     
 
     

 

 

Julia Myriam Kaiser


In einer Zeit, in der die digitale Welt das geschriebene Wort dominiert, lebt im niedersächsischen Bordenau ein Mann, der die Kunst des Buchdrucks auf jahrhundertealten Maschinen pflegt: Peter Marggraf. Seit über 30 Jahren widmet er sich in seiner „San Marco Handpresse“ der Schaffung von Künstlerbüchern, die nicht nur literarische Werke, sondern auch kunsthandwerkliche Meisterwerke sind. In seinem Atelier, das sich in einem hellen, lichtdurchfluteten Kellerraum seines Hauses befindet, entstehen Bücher, die durch ihre haptische und visuelle Ästhetik ebenso bestechen wie durch ihren Inhalt.
Das Atelier selbst, mit seiner breiten Fensterfront zum Garten hin, wirkt wie ein Rückzugsort, an dem die Zeit stillsteht. Vor dem Fenster erstreckt sich ein Platz, der einem Amphitheater gleicht, ein Raum für kreative Prozesse. Das Atelier von Peter Marggraf ist eine faszinierende Mischung aus Kunst und Technik. Skulpturen, teils aus Bronze oder Gips, teils aus einem speziellen Ton, der nach dem Brand an Eisen erinnert, zieren den Raum. Die Figuren wirken oft zurückgenommen, ihre Gesichter nachdenklich und introvertiert, während ihre Oberflächen die Spuren der Bearbeitung durch Marggrafs Hände tragen. Diese Spuren erzählen von tiefer, unsichtbarer Emotionalität, die sich durch die Kunstwerke zieht.
Doch neben den Skulpturen sind es die alten Druckmaschinen, die den Raum beherrschen. Eine Heidelberger Tiegelpresse aus den 1950er-Jahren und eine Linotype-Setzmaschine sind die Werkzeuge, mit denen Marggraf seine Bücher herstellt. Die Linotype, ein Relikt der Druckgeschichte, goß einst Buchstaben in Bleizeilen, eine Technik, die längst aus der kommerziellen Produktion verschwunden ist. Als Marggraf die Maschine 1990 erwarb, wurde ihm klar, daß diese antike Technik auch Herausforderungen mit sich bringt – Ersatzteile waren rar, und eine Bedienungsanleitung gab es nur im Deutschen Industrie-Museum in München. Dennoch: Die Linotype in der Bordenauer Werkstatt läuft bis heute, unterstützt von seltenen, aber nach wie vor noch existierenden Linotype-Monteuren.
Peter Marggrafs Bücher entstehen in winzigen Auflagen, oft nur wenige Exemplare pro Werk, und kosten zwischen 70 und 250 Euro. Sie sind Unikate, jedes Stück ein handgebundenes Kunstwerk. In den letzten 30 Jahren hat Marggraf über 200 Werke veröffentlicht, viele davon literarische Klassiker aber auch zeitgenössische Gedichte, die er durch seine grafischen Arbeiten und Illustrationen ergänzt. Der Künstler liest intensiv, und die Texte, die ihn besonders bewegen, finden ihren Weg in seine Druckwerke. Autoren wie Franz Kafka, Samuel Beckett, Ingeborg Bachmann und Paul Celan sind feste Bestandteile seines Repertoires. In jüngster Zeit hat Marggraf aber auch Gedichte und Prosa zeitgenössischer Autoren veröffentlicht.
Peter Marggraf bleibt dem traditionellen Buchdruck treu. Seine Leidenschaft für die spürbare Materialität des Hochdrucks, für das Handwerkliche, ist in jedem seiner Bücher erkennbar. Jedes Exemplar wird von Hand gesetzt, auf feinem Büttenpapier gedruckt und sorgfältig gebunden. Diese Bücher sind weit mehr als nur Lesematerial – sie sind Kunstwerke, die Geschichten auf ganz besondere Weise erzählen.
Marggrafs Liebe zur Buchdruckkunst ist tief verwurzelt in der Tradition des Hochdrucks. Der Kauf der Linotype, Baujahr 1928, markierte einen Wendepunkt in seiner Arbeit und ermöglichte es ihm, größere Mengen an Texten zu setzen und dann zu drucken. Die von ihm verwendeten Maschinen und Werkzeuge, die teilweise seit über hundert Jahren in Betrieb sind, verleihen seinen Büchern eine besondere Materialität und Authentizität, die in der modernen Buchherstellung selten geworden ist. Jeder Buchdeckel, jedes Blatt Papier, jeder Druck ist sorgfältig ausgewählt und verarbeitet. In jeder Seite steckt die spürbare Leidenschaft eines Mannes, der das Erbe des Buchdrucks bewahrt und es gleichzeitig in die Gegenwart transportiert.
Mit seinen Arbeiten erinnert Marggraf daran, daß das gedruckte Buch nicht nur ein Medium für den Text ist, sondern auch ein Objekt von bleibendem Wert. Seine Werke, die weltweit in Sammlungen und Museen zu finden sind, beweisen, daß Tradition und Innovation Hand in Hand gehen können.
Während die meisten Menschen Bücher heute auf Knopfdruck lesen, schafft Peter Marggraf jedes seiner Werke mit Sorgfalt, Geduld und einer tiefen Leidenschaft für das Handwerk – eine Huldigung an die Schönheit des gedruckten Wortes und an die menschliche Kreativität.





 

 

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