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Edgar Allen Poe
HOPP-FROSCH
Peter Marggraf Zeichnungen
Evelin Eberle
Peter Marggraf ist nicht nur als Bildhauer, sondern
auch als Drucker und Büchermacher tätig. In der San Marco Handpresse, seinem
kreativen Atelier, hat er eine bemerkenswerte Reihe von Büchern ins Leben
gerufen, die unter dem Titel „I libri bianchi“ (Die weißen Bücher) bekannt
sind. Diese Edition zeichnet sich durch ihre handwerkliche Sorgfalt und
künstlerische Qualität aus und stellt eine faszinierende Verbindung zwischen
traditioneller Buchkunst und moderner Technologie her. Marggraf setzt bei
der Herstellung seiner Bücher in der San Marco Handpresse sowohl auf
historische Techniken wie den Bleisatz und Buchdruck als auch auf moderne
digitale Verfahren. Jedes Buch der Reihe „I libri bianchi“, und inzwischen
sind über 60 Bücher erschienen, wird auf einem hochwertigen 150 g/m²
schweren, alterungsbeständigen Büttenpapier mit einem Laserdrucker gedruckt.
Die Bücher haben ein handliches Format von 15 x 23,5 cm und umfassen ca. 64
bis 100 Seiten. Die Bindung erfolgt in Handarbeit von Peter Marggraf selbst,
wobei die Bücher fadengeheftet und mit einem Schutzumschlag versehen werden.
Jedes Exemplar ist auf 100 Stück limitiert, nummeriert und vom Künstler
persönlich signiert. Diese exklusive Auflage macht jedes Buch zu einem
begehrten Sammlerstück für Liebhaber bibliophiler Kostbarkeiten. Die
Reihe „I libri bianchi“ ist nicht nur wegen ihrer handwerklichen Qualität
bemerkenswert, sondern auch wegen der sorgfältigen Auswahl und Bearbeitung
der literarischen Werke. Marggraf illustriert die Bücher mit Reproduktionen
seiner eigenen Grafiken und Drucken sowie gelegentlich mit Fotografien
seiner figürlichen Plastiken. Besonders hervorzuheben ist, daß die visuelle
Gestaltung und der Text in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen,
wodurch eine harmonische Symbiose zwischen Bild und Schrift entsteht.
Eines der neuesten Werke in der „Weißen Reihe“ ist die Erzählung
„Hopp-Frosch“ von Edgar Allan Poe. Diese makabre Geschichte über die Rache
zweier Benachteiligter hat Marggraf Zeichnungen aus den Jahren 1993 bis 1995
hinzugegeben. „Hopp-Frosch“, erstmals 1849 veröffentlicht, ist eine
düstere Geschichte, die sich mit Themen wie Rache, Machtmißbrauch und
sozialer Ungerechtigkeit auseinandersetzt. Die Handlung dreht sich um den
körperlich benachteiligten Hopp-Frosch, der zusammen mit seiner ebenfalls
kleinwüchsigen Freundin Tripetta an den Königshof gebracht wird. Beide
stammen aus einer fernen, unbekannten Region und sind am Hofe als Geschenke
eines Generals vor allem zur Unterhaltung des Königs und seiner sieben
Minister bestimmt. Hopp-Frosch, der aufgrund seiner deformierten Beine
nur mühsam gehen kann, dafür aber kräftige Arme hat, wird vom König als Narr
gehalten. Tripetta hingegen wird wegen ihrer Anmut und Fähigkeit zu tanzen
verhätschelt, doch letztlich sind beide nur Spielzeuge in den Händen der
Mächtigen. Die Geschichte beginnt mit der scheinbar alltäglichen Schikane,
die Hopp-Frosch durch den König und seine Minister erdulden muß. Besonders
grausam zeigt sich der König, als er Hopp-Frosch zwingt, Wein zu trinken,
obwohl dieser ihm nicht gut bekommt. Als Tripetta sich schützend für ihren
Freund einsetzt, wird sie vom König erniedrigt, indem er ihr Wein ins
Gesicht schüttet. Dieser Akt der Demütigung wird zum Wendepunkt der
Erzählung. Angetrieben von Wut und dem Wunsch nach Rache, entwickelt
Hopp-Frosch einen Plan, der die sadistische Neigung des Königs und seiner
Minister gegen sie selbst richtet. Der König, der ein Faible für groteske
und erschreckende Scherze hat, ist begeistert von der Idee, sich und seine
Minister als Orang-Utans zu verkleiden, um beim bevorstehenden Maskenball
Schrecken zu verbreiten. Die Verkleidung, die Hopp-Frosch entwirft, ist
jedoch mehr als nur ein Scherz: Sie wird zur tödlichen Falle. Mit einer
Mischung aus strategischem Geschick und der Bereitschaft, extreme Maßnahmen
zu ergreifen, fesselt Hopp-Frosch die acht Männer miteinander und läßt sie,
als Teil des Schauspiels, an einer Kette im Festsaal aufhängen. In einem
Moment des Terrors zündet er sie mit einer Fackel an, während sie hilflos
verbrennen. Dieser Höhepunkt der Geschichte ist nicht nur eine brutale Form
der Vergeltung, sondern auch eine Inszenierung der Umkehrung der
Machtverhältnisse. Hopp-Frosch, der physisch Unterlegene und immerzu
Gedemütigte, übernimmt die Kontrolle und bestraft seine Peiniger auf
grausame Weise. Die Erzählung endet mit der Flucht von Hopp-Frosch und
Tripetta, die spurlos verschwinden. Diese Flucht symbolisiert nicht nur ihre
physische Befreiung, sondern auch den endgültigen Bruch mit der
Unterdrückung, der sie am Hofe ausgesetzt waren. Es bleibt jedoch eine
Ambivalenz: Die Befreiung ist nur durch extreme Gewalt erreicht worden, und
Hopp-Frosch ist nicht einfach nur ein Opfer, sondern wird durch seine Taten
selbst zum Täter. Die Herstellung dieses Buches folgte der Gesamtausgabe
der Dichtungen und Erzählungen von Edgar Allan Poe, herausgegeben von
Theodor Etzel im Propyläen-Verlag, Berlin (1922). Auch dieses Werk aus der
Reihe der Weißen Bücher wurde in einer Auflage von 100 Exemplaren
handgefertigt und von Marggraf signiert und numeriert. Peter Marggraf hat
mit seiner Buchreihe „I libri bianchi“ einen wichtigen Beitrag zur
zeitgenössischen Buchkunst geleistet. Seine Werke sind nicht nur Bücher,
sondern Kunstobjekte, die die Grenzen zwischen Text und Bild, zwischen
handwerklicher Präzision und künstlerischem Ausdruck auflösen. Marggraf
gelingt es, in jedem Band der „weißen Reihe“ eine einzigartige Atmosphäre zu
schaffen, die den Leser und Betrachter in eine Welt der Kunst und Literatur
entführt.
Mehr Informationen zu dem
Buch "Hopp-Frosch" finden Sie hier
►
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