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Bewegte Stilleben

Zu den Gedichten von Christiane Schulz

 

 

 

Richard Pietraß

Wer Gedichte von Christiane Schulz gelesen hat, kennt ihren Zauber innehaltender Zeit. Der ihr jüngstes, bibliophiles Buch Mondweiss am Revers in den märkischen Altweibersommer trug und unter einer Uferbuche las, feierte eine Messe unter freiem Himmel. Zwar fehlte es an Mondlicht, doch die Strahlkraft des Frühherbstes steigerte Grundleuchten und Kontrast ihrer Sinnbilder. Suggeriert der Titel fast Zugehörigkeit zu einem romantischen Geheimbund, erwecken mir Ornat und Format des guten Dutzends Gedichte den Eindruck eines Hauskalenders. Und wirklich, mit manchem der medaillenreifen Medaillons wäre ich gern Wochen allein: mit der, wie Sand, fingerrinnenden, unfaßbaren Stille, dem subalpinen Hafenglühn, dem Zappeln am giergeschluckten Eigenhaken, der Steppensintflut auf ersaufenden Marsfeldern und dem hauergepflügten Boden des Kahlschlags im Wildschweinwald. Wir werden Zeugen eines Scherbengerichts und des Herzrisses in der Brust der Terrorzeugin, umflammt vom Rapsgoldmeer und dem Geist der Mirabellen.
Ihre eigene Spielart poetischen Sprechens gewinnt die naturverwachsene Architektin aus organischen Impulsen, schleifenhaftem Wiederholen des ohne Finderschrei und Patentpose Entdeckten. Dabei nutzt sie die gesellende Kraft magischer Formeln und die Weltweisheit überlieferter Sprüche. Mit Feuer und Flamme zündelt Christiane Schulz am ihr stets gewärtigen seidenen Faden. Sie vertritt eine Poesie bescheidener Zurücknahme gedanken- und bedenkenlos vorgetragener Ansprüche saurierhafter Konsumisten. Als Dichterin eines sich ständig prüfenden Augenmaßes funkt sie ihre Wünsche baumgrasleise, unkt sie im Rücken der Unke. Anstelle klirrender Rechthaberei ficht sie gleichsam das Techtelmechtel der Flechte, steht sie eher für stockendes Blut als für bockigen Mut, für Drehen und Wenden statt für Packen und Vollenden. So bleibt sie eine Dichterin fliegender Enden und des Uneingelösten Hoffnungen, auf Eis gelegt, Sehnsucht, eingewachsen in die Stirn.

 

 

Mehr Informationen zu dem Buch "Mondweiß am Revers" finden Sie hier

 

 


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