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Stimme des Windes
Nikolaus Lenau Gedichte
Peter Marggraf eine Radierung

 

Torsten Kantor


STIMME DES WINDES

In Schlummer ist der dunkle Wald gesunken,
Zu träge ist die Luft, ein Blatt zu neigen,
Den Blütenduft zu tragen, und es schweigen
Im Laub die Vögel und im Teich die Unken.

Leuchtkäfer nur, wie stille Traumesfunken
Den Schlaf durchgaukelnd, schimmern in den Zweigen,
Und süßer Träume ungestörtem Reigen
Ergibt sich meine Seele, schweigenstrunken.

Horch! Überraschend saust es in den Bäumen
Und ruft mich ab von meinen lieben Träumen,
Ich höre plötzlich ernste Stimme sprechen,

Die aufgeschreckte Seele lauscht dem Winde
Wie Worten ihres Vaters, der dem Kinde
Zuruft, vom Spiele heimwärts aufzubrechen.



Sehnsucht quillt aus solchen Versen des spätromantischen Dichters Nikolaus Franz Niembsch. Nach seinem in Stockerau bei Wien ansässigen und 1820 geadelten Großvater väterlicherseits mit dem Prädikat Edler von Strehlenau ausgestattet, legte sich der von seinen Freunden nur „lieber Niembsch“ gerufene Dichter 1830 das Pseudonym Lenau zu.
Peter Marggraf, ein vielseitiger Künstler, der sowohl als Bildhauer, Zeichner und auch Drucker tätig ist, hat mit seinem neuen Buch „Stimme des Windes“ ein beeindruckendes Werk geschaffen, das Poesie und Bildende Kunst in einer einzigartigen Weise verbindet. Das Buch enthält Gedichte von Nikolaus Lenau, einem bedeutenden Dichter des 19. Jahrhunderts, und wird durch Marggrafs reduzierte und zugleich ausdrucksstarke Radierung ergänzt. Diese Kombination aus Text und Bild eröffnet dem Betrachter eine tiefe, kontemplative Auseinandersetzung mit der Natur und dem menschlichen Dasein.
Marggrafs künstlerische Karriere ist geprägt von einer intensiven Auseinandersetzung mit der menschlichen Figur, die sich in seinen Plastiken aus Ton, Gips und Bronze widerspiegelt. Seine Kunst ist jedoch nicht auf Skulpturen beschränkt; auch als Zeichner hat er sich einen Namen gemacht. Seine Zeichnungen sind bekannt für ihre minimalistische, aber dennoch kraftvolle Ausdrucksweise. Mit wenigen Linien gelingt es ihm, komplexe Szenen und tiefgehende Emotionen darzustellen. Diese Reduktion auf das Wesentliche verleiht seinen Arbeiten eine meditative Qualität, die den Betrachter dazu einlädt, sich auf die Feinheiten und die Stille in den Linien zu konzentrieren.
In dem Buch „Stimme des Windes“ verknüpft Marggraf seine zeichnerischen Fähigkeiten mit der Lyrik Lenaus, um eine visuelle Interpretation der Gedichte zu schaffen. Dabei geht es ihm nicht um eine realistische Darstellung der Landschaft, sondern um das Einfangen von flüchtigen Momenten und inneren Bewegungen. Die Landschaftsdarstellung, die er in Form von Kaltnadelradierungen in die Bücher integriert, spiegeln diese Intention wider. Sie sind geprägt von einer subtilen, fast skizzenhaften Qualität, die den flüchtigen Charakter der Natur und der menschlichen Wahrnehmung betont.
Die handwerkliche Herstellung des Buches ist ebenso bemerkenswert wie der künstlerische Inhalt. Gesetzt wurde das Buch auf einer Linotype aus Blei in der Garamond-Schrift, gedruckt auf einer Handpresse auf hochwertigem Büttenpapier der Firma Hahnemühle (150g/qm). Die limitierte Auflage umfaßt lediglich 18 numerierte und signierte Exemplare, die zusätzlich durch zwei Künstlerexemplare ergänzt werden. Die Kaltnadelradierungen, die auf Kupferdruckbütten gedruckt und den Büchern beigelegt sind, verstärken den exklusiven Charakter dieses Werkes.
Marggraf erweitert mit der Radierung in dem Buch „Stimmen des Windes“ sein thematisches Spektrum. Nachdem er sich in seinen früheren Arbeiten seit seinem Bildhauerstudium in Hannover, Hamburg und in Braunschweig auf die menschliche Figur und später auch auf die urbane Architektur – insbesondere die von Venedig, wo er regelmäßig arbeitet – konzentriert hat, wendet er sich nun der Landschaft zu. Diese Erweiterung seiner künstlerischen Thematik zeigt seine ständige Suche nach neuen Ausdrucksformen und seine Fähigkeit, unterschiedliche künstlerische Disziplinen miteinander zu verbinden.
„Stimmen des Windes“ ist nicht nur ein Buch, sondern ein Kunstwerk, das den Betrachter in eine stille, poetische Welt entführt. Die Kombination aus Lenaus Lyrik und Marggrafs Radierung ermöglicht es, die Natur und die menschlichen Emotionen aus einer neuen Perspektive zu betrachten. Das Werk lädt dazu ein, innezuhalten und sich auf die leisen Töne und die subtile Schönheit der Natur einzulassen. Peter Marggraf hat mit diesem Buch einen weiteren Meilenstein in seiner künstlerischen Laufbahn gesetzt und zeigt einmal mehr, wie kraftvoll die Reduktion auf das Wesentliche in der Kunst sein kann.




Mehr Informationen zu dem Buch "Stimme des Windes" finden Sie hier