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     Portrait Eduard Mörike (Lithographie von Bonaventura Weiß)

 

Eduard Mörike "Mondscheingärten"

 

Eduard Mörike


VERBORGENHEIT

Laß, o Welt, o laß mich sein!
Locket nicht mit Liebesgaben!
Laßt dies Herz alleine haben
Seine Wonne, seine Pein!

Was ich traure, weiß ich nicht:
Es ist unbekanntes Wehe;
Immerdar durch Tränen sehe
Ich der Sonne liebes Licht.

Oft bin ich mir kaum bewußt,
Und die helle Freude zücket
Durch die Schwere, die mich drücket,
Wonniglich in meiner Brust.

Laß, o laß mich sein!
Locket nicht mit Liebesgaben!
Laßt dies Herz alleine haben
Seine Wonne, seine Pein!






 

Torsten Kantor

Eduard Mörike, geboren am 8. September 1804 in Ludwigsburg. Sein Werk zeichnet sich durch eine feinsinnige Verbindung von Einfachheit und Tiefgründigkeit aus, die seine Gedichte bis heute lesenswert machen. Mörikes Leben war geprägt von seiner Tätigkeit als evangelischer Pfarrer, doch seine wahre Berufung fand er in der Dichtung.
Nach seinem Theologiestudium in Tübingen widmete sich Mörike zunächst dem geistlichen Dienst, der ihm jedoch bald zu eng wurde. Die Natur, das Alltägliche und die menschlichen Gefühle boten ihm die Inspiration für seine literarische Arbeit. Sein Werk umfaßt Lyrik, Erzählungen und Übersetzungen, doch besonders seine Gedichte bestechen durch ihre vielschichtige Stimmung.
In Mörikes Gedichten begegnet man oft einer sanften Melancholie, die mit einer leisen Sehnsucht verbunden ist. Diese Stimmungen spiegeln die romantische Grundhaltung wider, die das Verborgene und die inneren Welten des Menschen zu erforschen sucht. Gleichzeitig finden sich in seinen Versen immer wieder heitere und verspielte Töne, die das Leben in all seinen Facetten feiern. So kann ein Gedicht von ihm plötzlich von einer kindlichen Freude durchdrungen sein, während ein anderes eine nachdenkliche und fast traurige Stimmung vermittelt.
Ein charakteristisches Merkmal von Mörikes Lyrik ist die Harmonie zwischen Natur und Gefühl. Seine Beschreibungen der Landschaft sind nie nur äußerlich, sondern spiegeln stets eine innere Befindlichkeit wider. Beispielsweise kann ein Sonnenuntergang bei ihm nicht nur einfach eine Szene der Natur sein, sondern auch ein Symbol für Vergänglichkeit und Hoffnung zugleich. Diese feine Balance macht seine Gedichte so vielschichtig und emotional tiefgründig.
Eduard Mörike starb am 4. Juni 1875 in Stuttgart. Sein literarisches Erbe lebt weiter und beeinflußt bis heute die deutsche Literatur. Die Stimmungen seiner Gedichte – von zarter Melancholie über stille Freude bis hin zu einer tiefen Naturverbundenheit – machen ihn zu einem Meister der romantischen Dichtung, dessen Werke Leser immer wieder aufs Neue berühren.



 

Mehr Informationen zu dem Buch "Mondscheingärten" finden Sie hier