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Portrait Heinrich Heine (gemalt von
Daniel Oppenheim). |
Heinrich Heine "Es war ein Traum"
Heinrich Heine
DER ABEND KOMMT
Der Abend kommt gezogen, Der Nebel bedeckt die See;
Geheimnisvoll rauschen die Wogen, Da steigt es weiß in die Höh’.
Die Meerfrau steigt aus den Wellen, Und setzt sich zu mir an den Strand:
Die weißen Brüste quellen Hervor aus dem Schleiergewand.
Sie
drückt mich und sie preßt mich, Und tut mir fast Weh’; – Du drückst
ja viel zu fest mich, Du schöne Wasserfee!
„Ich preß dich, in
meinen Armen, Und drücke dich mit Gewalt; Ich will bei dir erwarmen,
Der Abend ist gar zu kalt.“
Der Mond schaut immer blasser Aus
dämmriger Wolkenhöh; – Dein Aug’ wird trüber und nasser, Du schöne
Wasserfee!
„Es wird nicht trüber und nasser, Mein Aug’ ist naß
und trüb, Weil, als ich stieg aus dem Wasser, Ein Tropfen im Auge
blieb.“
Die Möwen schrillen kläglich, Es grollt und brandet die
See; – Dein Herz pocht wild beweglich, Du schöne Wasserfee!
„Mein Herz pocht wild beweglich, Es pocht beweglich wild, Weil ich
dich liebe unsäglich, Du liebes Menschenbild!“
Torsten Kantor
Heinrich Heine wurde am 13. Dezember 1797 in Düsseldorf geboren und gilt als
einer der bedeutendsten deutschen Dichter des 19. Jahrhunderts. Sein
literarisches Werk zeichnet sich durch eine einzigartige Verbindung von
Romantik, Ironie und Gesellschaftskritik aus. Heines Leben war geprägt von
politischen Umbrüchen, persönlichen Kämpfen und einer tiefen Leidenschaft
für die Kunst, die sich in der Vielfalt der Stimmungen seiner Gedichte
widerspiegelt. Heine entstammte einer jüdischen Kaufmannsfamilie,
konvertierte später zum Protestantismus und studierte zunächst Jura in Bonn,
später Literatur und Philosophie in Berlin und Göttingen. Seine Studienzeit
fiel in eine Zeit des politischen Wandels und der Restaurationspolitik nach
den Napoleonischen Kriegen, was seinen kritischen Blick auf Gesellschaft und
Politik prägte. Früh begann Heine zu schreiben und veröffentlichte Gedichte,
die zunächst stark von der Romantik beeinflußt waren, aber schon bald seine
eigene, unverwechselbare Stimme entwickelten. In Heines Gedichten
wechseln die Stimmungen häufig und spiegeln dabei die Ambivalenzen seiner
Zeit und seines eigenen Lebens wider. Oft verbinden sich Melancholie und
Sehnsucht mit Ironie und beißendem Spott. Seine lyrischen Werke
thematisieren Liebe, Natur, politische Freiheit und das menschliche
Schicksal, wobei die Gefühlswelt seiner Protagonisten immer wieder zwischen
Hoffnung und Verzweiflung oszilliert. Ein prägnantes Beispiel für Heines
emotionale Vielschichtigkeit ist das Gedicht „Die Loreley“. Hier verbindet
sich eine geheimnisvolle, fast magische Stimmung mit einer tragischen
Sehnsucht und einer düsteren Vorahnung. Die Natur wird als Spiegel innerer
Gefühle dargestellt, die zugleich schön und gefährlich sind. Diese Mischung
aus Romantik und Ironie zieht sich durch viele seiner Werke. Heines
Lebensweg führte ihn schließlich nach Paris, wo er im Exil lebte und die
politische Situation in Deutschland scharf kritisierte. Seine Gedichte und
Prosa aus dieser Zeit sind oft von einer kämpferischen Stimmung geprägt, die
von Hoffnung auf gesellschaftlichen Wandel, aber auch von Resignation
gegenüber der Unterdrückung geprägt ist. Trotz gesundheitlicher Probleme
blieb Heine bis zu seinem Tod am 17. Februar 1856 geistig scharf und
literarisch aktiv. Zusammenfassend läßt sich sagen, daß Heinrich Heine
ein Dichter war, der in seinen Werken eine breite Palette menschlicher
Emotionen und gesellschaftlicher Themen darstellte. Die wechselnden
Stimmungen seiner Gedichte – von zarter Romantik über sarkastische
Gesellschaftskritik bis hin zu tiefgründiger Melancholie – machen ihn zu
einer faszinierenden Figur der deutschen Literaturgeschichte, deren Texte
bis heute lebendig und relevant bleiben.
Mehr Informationen zu dem Buch "Es war
ein Traum" finden Sie hier
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