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Portrait Joseph von Eichendorff
(Stich von Eduard Eichens) |
Joseph von Eichendorff "Die Nachtblume"
Joseph von Eichendorff
Sehnsucht
Es schienen so golden
die Sterne, Am
Fenster ich einsam stand
Und hörte aus weiter Ferne
Ein Posthorn im stillen Land.
Das Herz mir im Leib entbrennte,
Da hab’ ich mir heimlich gedacht:
Ach wer da mitreisen könnte
In der prächtigen Sommernacht!
Zwei junge Gesellen
gingen Vorüber am
Bergeshang, Ich
hörte im Wandern sie singen
Die stille Gegend entlang:
Von schwindelnden Felsenschlüften,
Wo die Wälder rauschen so sacht,
Von Quellen, die von den Klüften
Sich stürzen in die Waldesnacht.
Sie sangen von
Marmorbildern, Von
Gärten, die über’m Gestein
In dämmernden Lauben verwildern,
Palästen im Mondenschein,
Wo die Mädchen am Fenster lauschen,
Wann der Lauten Klang erwacht,
Und die Brunnen verschlafen rauschen
In der prächtigen Sommernacht.
Torsten Kantor
Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff wurde am 10. März 1788 auf
Schloß Lubowitz bei Ratibor in Oberschlesien geboren. Er entstammte einer
adligen, jedoch finanziell angeschlagenen Familie. Seine Jugend war geprägt
von der ländlichen Umgebung, weiten Feldern, Wäldern und dem Klang der Natur
– Eindrücke, die später zum Herzstück seiner Dichtung werden sollten. Nach
dem Besuch des katholischen Gymnasiums in Breslau begann Eichendorff 1805
ein Jurastudium in Halle und setzte es später in Heidelberg fort. Dort kam
er mit den Ideen der Romantik in Berührung und lernte bedeutende Vertreter
wie Achim von Arnim und Clemens Brentano kennen. Zwischen 1808 und 1810
unternahm Eichendorff Bildungsreisen, unter anderem nach Paris und Wien. Die
Befreiungskriege gegen Napoleon beeinflußten ihn ebenfalls: Er trat als
Freiwilliger in die preußische Armee ein. Nach dem Krieg arbeitete er lange
als preußischer Staatsbeamter in verschiedenen Städten, unter anderem in
Berlin, Danzig und Königsberg. Erst im Ruhestand widmete er sich ganz der
Literatur. Er starb am 26. November 1857 in Neisse in Schlesien.
Eichendorffs Gedichte sind oft kurz, schlicht in der Sprache und doch tief
in Stimmung und Symbolik. Häufig beschwören sie eine Welt der wandernden
Seele, die zwischen Natur, Heimweh und Sehnsucht nach Ferne pendelt.
Typische Motive sind Wald, Nacht, Mondschein, ferne Glockenklänge und das
Wandern. Dabei sind die Stimmungen in seinen Gedichten meist von einer
sanften Melancholie durchzogen: Sie verbinden das Glück des Augenblicks mit
dem Wissen um seine Vergänglichkeit. In vielen seiner Werke herrscht ein
Wechselspiel zwischen Idylle und Abschied. Die Natur erscheint als
vertrauter, fast seelischer Raum, der Geborgenheit gibt, zugleich aber auch
den Aufbruch in das Unbekannte einleitet. Diese Spannung zwischen
Heimatverbundenheit und Fernweh erzeugt einen leisen, aber beständigen
Grundton der Wehmut. Selbst fröhliche Szenen – wie das Singen wandernder
Gesellen – tragen bei ihm oft einen Unterton von Vergänglichkeit und
unerfüllter Sehnsucht. Eichendorffs Lyrik lebt von klangvoller
Einfachheit, rhythmischer Klarheit und dem Einklang von Naturbildern und
seelischen Empfindungen. Durch diese Mischung gelang es ihm, Gefühle zu
gestalten, die bis heute unmittelbar ansprechen: den Zauber einer
Sommernacht, das leise Rauschen des Waldes, die stille Traurigkeit eines
Abschieds. So verbindet Eichendorffs Werk biografische Erfahrung,
Naturverbundenheit und eine feine romantische Melancholie zu einer Lyrik,
die den Leser bis heute in eine Welt zwischen Traum und Wirklichkeit
entführt.
Mehr Informationen zu dem Buch "Die
Nachtblume" finden Sie hier
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