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Portrait Clemens Brentano |
Clemens Brentano "Als mir dein Lied erklang"
Clemens Brentano
WAS REIF IN DIESEN
ZEILEN STEHT
Was reif in diesen Zeilen steht, Was lächelnd winkt
und sinnend fleht, Das soll kein Kind betrüben,
Die Einfalt hat es
ausgesäet, Die Schwermut hat hindurchgeweht, Die Sehnsucht hat’s
getrieben;
Und ist das Feld einst abgemäht, Die Armut durch die
Stoppeln geht, Sucht Ähren, die geblieben,
Sucht Lieb’, die für
sie untergeht, Sucht Lieb’, die mit ihr aufersteht, Sucht Lieb’, die
sie kann lieben,
Und hat sie einsam und verschmäht Die Nacht durch
dankend in Gebet Die Körner ausgerieben,
Liest sie, als früh der
Hahn gekräht, Was Lieb’ erhielt, was Leid verweht, Ans Feldkreuz
angeschrieben,
O Stern und Blume, Geist und Kleid, Lieb’, Leid und
Zeit und Ewigkeit!
Torsten Kantor
Clemens Brentano (1778–1842) war eine zentrale Figur der deutschen Romantik.
Geboren am 9. September 1778 in Ehrenbreitstein bei Koblenz, wuchs er in
einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie auf. Schon früh zeigte er eine Neigung
zur Phantasie und zum Erzählen, auch wenn sein schulischer Werdegang von
Unbeständigkeit geprägt war. Brentano studierte zunächst in Halle, Jena und
Göttingen, doch die Universitätsjahre dienten ihm mehr dem literarischen
Austausch als dem akademischen Abschluß. Früh fand er Anschluß an den
Kreis der Heidelberger Romantiker, zu dem auch Achim von Arnim, die Brüder
Grimm und Joseph von Görres gehörten. Gemeinsam mit Arnim gab er die
berühmte Volksliedersammlung „Des Knaben Wunderhorn“ heraus (1806–1808), die
als Inbegriff romantischer Volksliedpoesie gilt. Sein Werk umfaßt neben
Gedichten auch Erzählungen, Märchen und religiöse Schriften. Brentanos
Leben war von starken inneren Spannungen geprägt. Er schwankte zwischen
weltlicher Lebenslust und tiefem religiösem Ernst. 1817 kehrte er der
literarischen Öffentlichkeit weitgehend den Rücken, nachdem er eine tiefe
Bekehrungserfahrung erlebte. Die letzten Jahrzehnte seines Lebens widmete er
vor allem der Niederschrift von Visionen und Predigten der Nonne Anna
Katharina Emmerick, deren Schilderungen er protokollierte. Brentano starb am
28. Juli 1842 in Aschaffenburg. Die Gedichte Brentanos sind durchzogen
von einer besonderen Mischung aus Melancholie, Sehnsucht und verspielter
Fantasie. Typisch für ihn ist die romantische Sehnsucht nach einer besseren,
oft unerreichbaren Welt – eine Grundstimmung, die in der Romantik häufig
auftritt und bei Brentano sowohl als süßer Traum als auch als schmerzliche
Unerfüllbarkeit erscheint. Daneben zeigt sich in vielen Texten eine heitere,
fast kindlich-verspielte Note. Brentano liebte sprachliche Klangspiele,
Reime und rhythmische Experimente, die seine Lyrik musikalisch wirken
lassen. Diese musikalische Qualität verleiht selbst ernsteren Gedichten eine
gewisse Leichtigkeit. Doch es gibt auch eine tiefe religiöse
Ernsthaftigkeit in seinem Werk. Besonders in den späteren Schriften schwingt
eine Stimmung zwischen Andacht, mystischer Entrückung und asketischer
Weltabkehr mit. Hier überlagert der Glaube an das Transzendente jede
weltliche Erfahrung. Insgesamt lassen sich drei zentrale Stimmungsfelder
in Brentanos Gedichten erkennen: Sehnsucht und Melancholie – das romantische
Streben nach einer idealisierten Welt.Verspielte Heiterkeit – Humor,
Klangfreude und die Lust am Fantastischen. Religiöse Innigkeit – tiefe
Frömmigkeit, oft verbunden mit einer ernsten Grundstimmung. Diese
Vielschichtigkeit macht Brentanos Lyrik zu einem Spiegel seiner eigenen
inneren Zerrissenheit: ein Leben zwischen Weltfreude und Glaubensstrenge,
zwischen Fantasie und Glaubensgewißheit.
Mehr Informationen zu dem Buch "Als mir
dein Lied erklang" finden Sie hier
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